Staatssekretär Baumann im Wahlkreis
Am vergangenen Dienstag lud die Ludwigsburger Landtagsabgeordnete Silke Gericke (Grüne) zur Fahrrad-Tour „Natur trifft Stadt“ ein. Gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Andre Baumann, Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Ludwigsburg sowie Partnern wie NaturVision wurden die Zugwiesen, das NaturInfoZentrum Casa Mellifera und der Arsenalplatz besucht. Die drei Stationen verdeutlichten, wie Natur, Bildung und Stadtentwicklung ineinandergreifen – und welche Bedeutung dies für die Menschen in Ludwigsburg hat.
Die Zugwiesen sind ein junges Biotop im Ballungsraum, das nach jahrzehntelanger Planungsarbeit, politischen Entscheidungen und Flächenankäufen umgesetzt werden konnte. Auf rund 17 Hektar entstanden neue Lebensräume für Vögel, Amphibien und Insekten, ergänzt durch ein 1,7 Kilometer langes Umgehungsgerinne, das Wanderfischen den Durchlass an der Staustufe Poppenweiler ermöglicht. Damit wurde ein ökologischer Wert geschaffen, der zugleich als Naherholungsgebiet genutzt wird – ein Spannungsfeld zwischen Schutz und Erlebnis. Silke Gericke sagte: „Die Zugwiesen zeigen, dass Natur selbst im dicht besiedelten Ballungsraum wieder ihren Platz findet. Hier konnte ein Biotop entstehen, das Artenvielfalt fördert und zugleich den Menschen einen Ort zum Erleben von Natur bietet. Für mich ist das ein gelungenes Beispiel dafür, wie ökologische Aufwertung und Naherholung nebeneinander bestehen können.“ Dr. Andre Baumann ergänzte: „Was hier entstanden ist, ist ein ökologisches Juwel. In den Zugwiesen wurde unserem Landesfluss Neckar ein Stück seiner Natur zurückgegeben. Und davon profitieren auch wir Menschen: Im Ballungsraum wird Natur für Jung und Alt erlebbar. Danke an alle, die dies ermöglicht haben.“
Die zweite Station war das NaturInfoZentrum Casa Mellifera am Hungerberg. Das Gebäude ist aus massivem Stampflehm gebaut, mit Material aus der Region, und damit selbst ein Anschauungsobjekt für eine Bauweise, die Ressourcen spart, das Stadtklima verbessert und in Baden-Württemberg inzwischen durch den Lehmbaupreis gewürdigt wird. Mit seinem Gründach und der innovativen Energietechnik zeigt es, dass nachhaltige Architektur funktional, modern und alltagstauglich ist. Vor allem aber ist Casa Mellifera ein Ort, an dem Natur und Bildung aufeinandertreffen: Schulklassen lernen hier Themen wie Artenvielfalt, Insekten, Stadtökologie oder Energiewende kennen, Vereine und Initiativen finden Räume für Seminare und Veranstaltungen, Bürgerinnen und Bürger erleben Natur in direkter Nachbarschaft zur Stadt. Dr. Andre Baumann sagte: „Casa Mellifera macht sichtbar, was nachhaltiges Bauen leisten kann. Die tragenden Wände sind aus Stampflehm – einem regionalen und nachhaltigen Baustoff. Das ist gut für die Aufenthaltsqualität, weil das Raumklima ausgeglichen ist. Dafür sorgt auch das bunt blühende Gründach, das eine natürliche Isolation bietet und Faltern und Wildbienen Nahrung liefert. Schülerinnen und Schüler dürfen an diesem Wohlfühlort außerdem viel über Heimat, Natur und Co. Lernen und Zusammenhänge spielerisch begreifen. Das ist wirklich sehr vorbildlich. Jeder Euro und jede ehrenamtlich investierte Arbeitsstunde sind hier gut investiert.“
Zum Abschluss führte die Tour auf den Arsenalplatz. Dieser Platz war über Jahrhunderte eng mit der Geschichte Ludwigsburgs verbunden: einst als Exerzierplatz angelegt, dann nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte hinweg vor allem als Parkplatz genutzt. Das Auto prägte diesen zentralen Stadtraum lange Zeit, bevor sich die Stadt Ludwigsburg entschloss, ihn Stück für Stück in einen Aufenthalts- und Begegnungsort zurückzuverwandeln. Heute ist der Arsenalplatz ein lebendiger Platz mitten in der Stadt, der mit Angeboten wie Tanz, Boule, Konzerten und Sommeraktionen intensiv genutzt wird. Gerade in heißen Sommern wird er für viele Menschen zu einem Ort, an dem sie Schatten, Wasser und Begegnung finden können. Silke Gericke erklärte: „Grünflächen und öffentliche Räume sind Daseinsvorsorge. Sie schaffen Schatten im Klimawandel, Aufenthaltsqualität im Quartier und sind Orte der Begegnung. Beim Arsenalplatz geht es darum, dass Menschen Platz haben, um abends rauszukommen, sich aufzuhalten und sich zu begegnen.“ Dr. Andre Baumann sagte: „Bäume sind keine Dekoration, sondern Teil der Infrastruktur. Sie kühlen im Sommer, reinigen die Luft, speichern Wasser und bieten Lebensräume. In einem Stadtplatz wie dem Arsenalplatz liegen große Chancen: Wenn dieser Platz lebendig bleibt, verbindet er Klima- und Gesundheitsfunktionen mit einem sozialen Mittelpunkt der Innenstadt.“
Die Tour „Natur trifft Stadt“ machte sichtbar, dass urbane Lebensqualität dort entsteht, wo Natur in der Stadt sichtbar wird, wo Plätze Aufenthaltsqualität bieten und wo Bildung und Engagement feste Orte haben. Von den ökologischen Erfolgen der Zugwiesen über Casa Mellifera als Beispiel für innovative Bauweise bis hin zur Nutzung des Arsenalplatzes wurde deutlich, wie sehr solche Projekte das alltägliche Leben der Menschen in Ludwigsburg bereichern.